
Deutschsprachige Schachwelt in Bewegung
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Die Schachverbände der deutschsprachigen Welt durchleben 2025/26 eine Phase intensiver Umbrüche. Die drei Länder beschreiten je eigene Wege und sehen sich mit unterschiedlichen Hindernissen konfrontiert. Dabei geht es nicht nur um Antworten auf die Fragen, wie sich die nationalen Schachverbände digital und organisatorisch positionieren sollen.
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Schweiz: Wertungssystem im Umbruch, neue Website im Bau
Der Schweizer Schachbund (SSB) vollzieht einen radikalen Wechsel seiner Wertungsarchitektur. Seit dem 1. Januar 2026 existiert die Schweizer Führungszahl nicht mehr – stattdessen gilt nur noch die internationale FIDE-Elo-Wertung. Die Delegiertenversammlung am 14. Juni 2025 stimmte mit überraschend deutlicher Mehrheit zu: 137 Stimmen dafür, nur 30 dagegen.
SSB-Zentralpräsident André Vögtlin begründete diesen Schritt pragmatisch, da insbesondere für die Jüngeren und die Spitzenspielerinnen und Spieler die FIDE-Elo heute schon wesentlich wichtiger als die nationale Wertung sei. Damit verliert die Schweiz ein Element ihrer Schach-Identität – der SSB-Code, der seit Jahrzehnten fester Bestandteil war, entfällt. Nostalgiker:innen hängen teilweise ihren alten SSB Nummern nach. Andererseits könnten so gewertete Turniere in der Schweiz an Atraktivität gewinnen.
Parallel modernisiert der Verband seine digitale Infrastruktur: Die neue Website des SSB ging 2026 in die Beta-Testphase. Das Projekt erlebte Verzögerungen. Der Zeitplan war mehrfach angepasst worden – man musste mit über 50 Tester:innen Bugs auf der neuen Plattform beheben. Konkrete Kosten für das Website-Projekt wurden nicht kommuniziert, bewegen sich aber wohl in einem hohen fünfstelligen Bereich.
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Deutschland: Neue Wertungsplattform und innere Umbrüche? Ausserordentlicher Bundeskongress des DSB.
Der Deutsche Schachbund (DSB) kündigt für spätestens 9. Juni 2026 ein neues Wertungsportal an, das nach 14 Jahren das alte System ablösen soll. Damit einher geht eine Anhebung der Deutschen Wertungszahl (DWZ). Die neuen Formeln sollen die seit 2000 akkumulierte Deflation korrigieren.
Zusätzlich sollen nur noch DSB-Mitglieder Vollzugriff auf Spielerdaten und Turnierinformationen erhalten.
Doch neben dem Anstieg der DWZ-Wertungszahlen für die Mitglieder ist auch ein Temperaturanstieg innerhalb des DSB zu verzeichnen: Der außerordentliche Bundeskongress am 16. Mai 2026 in Frankfurt. Präsidentin Lauterbach wurde abgewählt, ihr Platz ging an Paul Meyer-Dunker, der mit haarscharf 116 zu 114 Stimmen gegen Niklas Rickmann gewann. Meyer-Dunker betonte, „Vertrauen ist nichts, das einfach da ist – man muss es sich erarbeiten."
Was ist da los in Schach-Deutschland? Der Präsident des Hessischen Schachverbandes hatte den Antrag gestellt, dass der Bundeskongress beschliessen möge, die Öffentlichkeit für einen Teil des am 16. Mai 2026 tagenden a. o. Bundeskongresses auszuschliessen. Das Video der vierstündigen Aufzeichnung des Kongresses kann unter folgendem link angeschaut werden:
https://www.schachbund.de/bundeskongress-2026.html
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In der 1. Österreichischen Bundesliga hat sich der Rekordmeister ASV Linz auf die Saison 2026 zurückgezogen. Der Präsident des Österreichischen Schachbundes erklärt,
dass der ASV Linz bewusst darauf verzichtet habe, ein Team ausschliesslich aus den besten österreichischen Großmeistern zu formen. Zwar sei eine solche Zusammenstellung reizvoll gewesen, doch wolle man den anderen Vereinen nicht deren heimische Spitzenspieler „wegkaufen“, da dies der Liga geschadet hätte; deshalb habe man auch mehreren Großmeistern, die von sich aus angefragt hatten, abgesagt.
Er betont, dass jede Ligareform nur mit der Zustimmung der Bundesliga-Vereine möglich sei. Der ÖSB werde den Klubs keine Regelungen aufzwingen; stattdessen unterstütze man die Selbstverwaltung der Liga, weil die Vereine den größten organisatorischen und finanziellen Aufwand tragen und daher beim Austragungsmodus mitbestimmen müssten. Die Liga ruhe im Wesentlichen auf dem Engagement der Clubs.
Der Präsident gibt weiter an, dass das gleichzeitige Mitspielen des ASV seine Handlungsfähigkeit im ÖSB eingeschränkt habe: Solange der ASV aktiv beteiligt sei, könne er keine Veränderungsvorschläge vorbringen, ohne mit dem Vorwurf der Voreingenommenheit konfrontiert zu werden — das sei ein weiterer Grund für das Ende des Engagements des ASV gewesen.
Schliesslich führt er sportliche Überlegungen an: In der bestehenden Besetzung des ASV wäre ein erneuter Staatsmeistertitel sehr wahrscheinlich gewesen, wodurch die übrigen Mannschaften nur um Platz zwei gekämpft hätten. Angesichts des erheblichen Aufwands aller Vereine sei diese Perspektive weder zufriedenstellend noch gesund für die Entwicklung der Liga; eine anhaltende Dominanz des ASV würde dem heimischen Schach nicht nützen.
Der Link zur Österreichischen Bundesliga 2026: https://schachstadt.com/oberste-liga-o
Auf sportlicher Ebene konnten sowohl Deutschland - mit seiner goldenen Generation (und Blübaum mit starker Leistung im Kandidatenturnier) - wie auch die Schweiz am Mitropacup Erfolge verbuchen.




