Schach-Tennis. Spiel, Satz, Matt!

Asse zwischen Aufschlag und Mattnetz

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10/23/20267 min read

News

Wachsende Popularität

Das Schach-Tennis erfreut sich im deutschen Sprachraum immer grösserer Beliebtheit. In den letzten Jahren sind einige neue Turniere dazugekommen. So gibt es beispielsweise Austragungen in Wien, Hamburg und Bochum. Es wird sogar seit neuestem eine Tour gespielt. Der Gesamtsieger wurde Georgi Davidov, welcher dieses Jahr das Turnier in Hamburg gewonnen und in Wien und Baden Baden mitgespielt hat. Alle Turniere werden auf Sand oder Keramik ausgetragen, da dort der Ball etwas langsamer ist - die Austragungen werden dann teilweise in unterschiedlichen Modi gespielt.

Viele Leute kommen über das Schach zum Schach-Tennis, andere, wie Nico Moser, der Austragungsleiter des Turniers in Wien, kommen vom Tennissport her. Das Schach-Tennis steht noch am Anfang seiner Entwicklung und Organisation - vieles erinnert an die Pionierzeit des professionellen Schachs.

SchachStadt hat ein Interview mit Nico Brandl vom SC Brombach (D) geführt, dem Mitinitiator des momentan am längsten, kontinuierlich stattfindenden Schach-Tennis Turniers. Dieser Artikel beruht zum grössten Teil auf diesem Interview. Eine detailliertere Analyse des Schach-Tennis Turniers vom SC Brombach, das Ende August 2026 ausgetragen wurde, findet sich auf der Homepage des Schachklubs und in einem Artikel der Oberbadischen Zeitung (Links zu unterst in diesem Artikel).

Regelwerk und Spielmodi

Die Regeln sind von Turnier zu Turnier unterschiedlich. Mancherorts werden die Runden und die entsprechenden Doppel-Partner schon im Vornherein durch Losentscheid gepaart und bei anderen Austragungen werden die Matches nur im Einzel gespielt. Des Weiteren variieren auch die Punktvergaben je nach Event. Beim Lörracher Turnier kann man sinnhaft bis zu 64 Punkte erzielen - so viele wie es Felder auf einem Schachbrett gibt - 32 im Tennis und 32 im Schach. Platzgründe - buchstäblich wie viele Tennisplätze zur Verfügung stehen - und sonstige organisatorische Überlegungen führen auch zu unterschiedlichen Modi bei den Wettkämpfen. Desweiteren unterscheiden sich die Turniere in Bezug auf den sportlichen Ehrgeiz. Es gibt eine Bandbreite zwischen Plausch-Turnieren und Turnieren, die schon professionelle Züge aufweisen, bei denen Geldpreise vergeben werden und sich unter den Teilnehmenden ein stärkerer Wettkampfcharakter entwickelt.

Doch auch wenn einige Veranstaltungen von manchem Spielenden mit grösserem Ernst angegangen werden als andere, so herrsche bei diesen Schachsport-Kombinationswettbewerben trotzdem immer eine kollegiale Atmosphäre. Es sei dann auch schon vorgekommen, dass man nach dem Match von einem GM - einem Schachgrossmeister - die Partie nachträglich erklärt bekommt, etwas, für das man andernorts gutes Geld zahlen müsse, wie unser Interviewpartner Nico Brandl berichtet.

Wie genau ein Turnier ausgetragen wird und welchen Modifikationen es unterliegt, hat wiederum Auswirkungen auf die jeweilige Strategie, auch über die beiden Disziplinen hinweg. So können bei Austragungen unterschiedliche Gewichtungen bei den Paarungen, der Rundengestaltung oder bei der Reihenfolge der Disziplinen vorgenommen werden. In Lörrach beispielsweise wird im Doppel gespielt aber dann im finalen Ranking die einzelnen Teilnehmenden klassiert. Das von SC Brombach veranstaltete Turnier hat dann auch die Besonderheit, dass ein Doppel Team gegen einen Einzelnen spielen kann. Bei der Tennisphase spielt der Einzelspieler auf dem kleinen Platz und das Doppelteam auf dem grossen. Im Schachteil werden in einer solchen Konstellation nur zwei statt vier Partien gespielt, die dann jedoch doppelt so stark gewertet werden, um auf die erforderlichen acht zu vergebenden Punkte pro Runde zu kommen. Um sich über die einzelnen Turniermodi zu informieren, sind die jeweiligen Internetseiten, die zu unterst in diesem Artikel noch aufgeführt werden, ein guter Start.

WM und junge Talente

Das jährlich stattfindende Turnier in Baden-Baden beispielsweise wird von IM Yaroslav Srokowski geleitet und gilt in der Szene seit 2018 als Schach-Tennis-WM. Es findet wie das Turnier vom SC Brombach auch seit 2011 statt. Da es über ein ganzes Wochenende ausgetragen wird und die Schach-Matches des Turniers in Innenräumen gespielt werden, konnte Baden-Baden während der Corona-Pandemie jedoch teilweise nicht stattfinden. Im Gegensatz dazu wird das vom SC Brombach organisierte Turnier an einem Tag gespielt und da die Schach-Matches auch draussen ausgefochten werden, konnte es nun, auch da das Wetter jedes Jahr mitspielte, kontinuierlich und zum 16. mal durchgeführt werden.

Rund 3/4 der Teilnehmer seien "Wiederholungstäter" und würden den harten Kern, des immer gut besuchten brombacher Turniers bilden. Dabei seien Mund-zu-Mund-Propagnada und der von Nico Brandl geführte E-Mail-Verteiler die grössten Teilnehmer-Generatoren, obschon andere Kanäle wie Instagram oder die Webseite vom SC Brombach aktiviert werden aber auch über den badischen Tennisverband, der Tenniszeitung oder der Europa Rochade, einem Schachmagazin, Werbung für den Sport gemacht wird. Mit 18 Teilnehmenden war das diesjährige Turnier aber ohnehin, wie eigentlich jedes Jahr, sozusagen ausgebucht.

Nico Brandl ist durch das Bieler Schachfestival auf den Schach-Tennis Sport aufmerksam gemacht worden. Jenes Turnier wird aber schon längere Zeit nicht mehr im Rahmen des Bieler Festivals gespielt. Nichts desto Trotz wuchs die Community und Turnierzahl im letzen Jahrzehnt ständig, da Teilnehmende von Turnieren selber animiert werden eigene Events zu veranstalten. Je nachdem ob diese Leute dann eher vom Schach oder vom Tennis her kommen, modifizieren sie ihre Spielmodi entsprechend ein wenig.

Die meisten Veranstaltungen sind miteinander vernetzt und im stetem Kontakt. Veranstalter und Besucher des einen gehen auch rege zu anderen Turnieren und seit diesem Jahr wird auch eine Tour gespielt (Hamburg – Baden-Baden – Wien). Es gibt gar Unternehmungen einen Verband zu gründen.

Das momentan grosse Talent für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Tennis und Schach ist der österreichische Teenager Alexander Gschiel, der sowohl ein guter Tennisspieler ist, wie auch als FM dem Schachspiel auf professioneller Ebene nachgeht.

In Hamburg wurde jüngst eine Turnier-Wertungszahl als Kombination aus Elo Zahl und Tennis-Wertung erfunden, eine Entwicklung, die vielleicht auch zu einer weiteren Professionalisierung des Sports führen könnte. Ob vielleicht auch, wie im frühen modernen Schach, jenseits des Atlantiks ein weiterer grosser Schach-Tennis Champion auf seine Entdeckung und seinen Siegeszug wartet, könnte sich bei weiterer Popularität dieses Trendsports zeigen.

So wächst jenseits der Sprachgrenzen das Interesse an Schach-Tennis. Sébastien Mazé ein französischer GM, plant schon seit längerem in Bordeaux ein Turnier zu veranstalten. Er kommt aber auf Grund seines vollen Terminkalenders bisher nicht dazu, wie Brandl anmerkt. Von sonstigen Turnieren in der Welt, wisse Brandl nichts, im Internet habe er zumindest nichts dazu gefunden, was aber nichts heissen mag.

Die offene Weltmeisterschaft, die in Baden-Baden ausgetragen wird, hatte schon bis zu 40 Teilnehmende.

Den beschränkten Platzgründen geschuldet, werden in Baden-Baden zunächst 7 Runden Tennis im Tiebreak gespielt und dann Schach. Erst ab dem Halbfinal wird dann „echtes“ Schach-Tennis gespielt, d.h., es wird auf dem einen Tennisplatz auf einem grossen Outdoor-Schachspiel abwechselnd 6 Minuten Schach gespielt, um dann auf den Tennisplatz nebenan zu wechseln, wo sechs Punkte im Tennis ausgespielt werden. Dies geht im Wechsel so lange weiter, bis ein Spieler entweder die Schachpartie durch Matt oder Zeit gewonnen hat oder im Tennis 18 Punkte erreicht hat.

Trendsportart

Schach-Tennis scheint, wie auch Schachboxen (siehe Link unten) eine interessante Variante und Crossover-Sportart zu sein, welche noch in den Kinder-Tennis-Schuhen steckt und hoffentlich Gelegenheit hat weitere Schritte auf dem Weg der Entwicklung und Standardisierung zu gehen. Eine Teilnahme bei einem bestehenden Turnier hilft sicher dabei, diese Sportkombination auch in der Praxis besser kennenzulernen.

Mit dem momentanen Angebot an Schach-Tennis Turnieren von Wien, über Baden-Württemberg und Bochum bis nach Hamburg gibt es in fast jeder Ecke des deutschsprachigen Raums entsprechende Veranstaltungen. Aber auch wenn man es nicht zu einem Turnier schafft, jedoch selber mal ein solches ausrichten will, sind Nico Brandl oder die anderen Ausrichter von schon etablierten Turnieren sicher gute Ansprechpartner (Auch hier werden auf die angefügten Links am Ende dieses Artikels verwiesen).

Das Sympathische an dieser Kombinationssportart und was dessen momentanen Reiz ausmacht, ist auch das familiäre, niederschwellige und verbindende Element. Jede Region verfügt über einen Tennisklub und Schachenthusiasten. Es wäre denkbar, dass sich der Sport weiter von unten organisiert und wächst. Auch könnte er Ausstrahlungskraft auf andere Schlagspielklubs, wie beispielsweise PingPong oder Padel haben - oder wie das Schachboxen, auch zu ganz anderen Sportartkombinationen ermuntern.

Die Fotos sind vom SC Brombach aufgenommen worden und zeigen Impressionen vom Turnier von 2026.

Sieger Nico Brandl mit Pokal. Rechts von ihm IM Yaroslav Srokowski mit Schachbrett und links mit Tennisschläger FM Matthias Ruefenacht.

Gruppenbild der Teilnehmer des 16. Schach-Tennis-Turnier am 29.08.2026

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